Pieve di Tremosine

TAG 1:

An der Ostküste und an der Nordspitze des Gardasees war ich nun schon, wenn es auch 8 Jahre gedauert hat, bis ich den Weg von Garmisch zum Lieblingssee der Deutschen gefunden habe. Aber die Leidenschaft hat mich doch tatsächlich auch gepackt. 

Viel Verkehr, viel Tourismus, also muss es etwas abseits sein. Da meine Reisekasse wie immer begrenzt ist, habe ich so lange gesucht, bis ich für mich ein kleines, aber feines Hotel in Pieve gefunden habe. Pieve war hier nur zufällig, mich hat die Aussicht des Hotels auf den Gardasee überzeugt. 

 

Für die Fahrt zum Gardasee habe ich 5-6 Stunden eingeplant, da ich abseits der Autobahn fahre. Ich kenne die Strecke schon von unserer Motorradtour im letzten Jahr. Die Strecke ist prima, mal geht es gut voran, mal zieht es sich etwas durch so Orte wie Klausen und die angrenzenden Baustellen. Die Autobahn habe ich fast immer im Blick. Die ersten Serpentinen sind somit geschafft.

 

Nix, aber rein gar nix, sind die gegen die Serpentinen nach Tremosine hoch. An Limone vorbei geht es irgendwann rechts hoch in die Brasa Schlucht, die Motorradfahrer werden sie kennen. Zuerst freue ich mich, dass die Straße so gut ausgebaut ist. Es wird dann etwas enger und die Radfahrer kommen verdammt nah. Momentan sind sehr viele hier unterwegs. Ich bin froh in meinem Auto zu sitzen, auch wenn mir der Hintern schon wehtut. Denen aber sicher auch.

 

Leider kann ich die Strecke nicht fotografieren. Mir würde auch das Smartphone aus den vor Anspannung triefnassen Händen gleiten. Die Straße ist der WAAAAAHNSINN. Ich bin froh einen Automatik zu fahren. Hier noch schalten geht gar nicht. Eng, eng, eng, kurvig, eng, Felsvorhänge, Radfahrer, viele Motorradfahrer, sagte ich schon, dass es eng ist? Nun gut, zweimal den Rückwärtsgang eingelegt, bleibe ich jetzt standhaft. Der andere muss weichen und tut es auch. 5 km geht es so den Berg hoch. Es ist wunderschön, wenn ich mich auch gerade nicht so anhöre :-). 

 

Oben angekommen, in Pieve, liegt das Hotel linker Hand und sieht sehr gut aus.

Ich gehe zuerst mal auf die atemberaubende Aussichtsterrasse, bekannt unter dem Namen "Schauderterrasse", da sie über den Abhang ragt. Sie ist noch besser als auf den Bildern im Internet. Nach meinem Einchecken, sehr nettes Personal übrigens, und einem kurzen Blick ins Zimmer, klein und gepflegt, sehr sauber, setze ich mich auf die Terrasse und das Grinsen, das ich schon auf der Fahrt hatte, wird noch etwas intensiver. Der Blick, die Pizza, das Bier, sucht es euch aus. 

Nachdem ich den Anfang gemacht habe und als erste Verrückte bei der Kälte draußen esse, füllt es sich jetzt auch hier. Viele kommen nur kurz auf die Terrasse, um den Ausblick zu genießen. Das nimmt etwas die Ruhe aus dem Ganzen. Aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Es passt genau so wie es ist. 

 

Nach kurzem Ausladen und Umziehen starte ich zu einer kleinen Tour. Es gibt einen Wanderweg runter nach Campione und auch zum alten Porto, so wie ich das verstehe bzw. im Nachhinein so interpretiere. 

 

Vorbei an der Kirche mit einem einladenden kleinen Kirchplatz mit ein paar Bänken - nein, ich will etwas tun, weitergehen!!!!- suche ich nicht lange den Weg. Er geht kurz unterhalb der Kirche runter.

Dieser Ausblick ist einfach fantastisch. Der Weg ist zwar steil, aber gut zu gehen. Bald komme ich an ein kleines Plateau oberhalb der Straße und muss mich nun entscheiden, ob ich runter nach Porto di Tremosine oder nach Campione gehe. Ich entscheide mich erst für Campione, drehe aber gleich wieder um und nehme den Weg nach Porto. Ich habe etwas Angst, dass mir die Zeit nicht reicht, da es schon später Nachmittag ist und ich den Weg nicht im Dunkeln nach oben gehen möchte.

 

Der Weg führt direkt auf die Straße, was natürlich nicht sehr erfreulich ist. Außer zwei Angler erinnert hier nur eine kleine Ruine an den Ex Porto. Laut ist es, daher muss ich mir was einfallen lassen. Ich sehe einen Weg, der am Autotunnel rechts in einen anderen Tunnel übergeht, parallel der Straße. Leider ist er gesperrt. Warum nur?

Ich wage es und denke immer, warum es gerade mich jetzt treffen sollte. Das dachten sich die von einem Stein getroffenen sicher auch. Nun gut, es ist aufregend und ich finde einen tollen Platz auf der Mauer, ganz alleine, mit den Steinen und dem See. Toll. Schade, dass dieser Weg nicht freigegeben ist, aber ich schätze, dass man zu viele Sicherheitsnetze spannen müsste.

Nach einiger Zeit mache ich mich auf den Heimweg und denke mal wieder beim Hinaufgehen, dass ich da doch nie runter bin. So steil war das eben nicht :-). Verschwitzt und durstig kommt mir die Eisdiele oben gerade recht. Ein Bier, eine Limo und eine Bank mit tollem Blick über den See. Alles wieder gut. Aber zu viele Menschen. Also gehe ich ein paar Meter die Straße hoch zum Kirchplatz und setze mich dort auf die Mauer. Mit dem Bier in der Hand komme ich mir etwas blöd vor, aber es ist ja niemand hier. :-)

 

Den Abend lasse ich auf meiner Terrasse ausklingen und verjage noch so einen italienischen Macker samt hochhackiger, stackselnder Begleitung, die direkt über dem Hotel eine Drohne fliegen lassen wollen. Wäre mein Englisch besser, hätte ich noch mehr gesagt als dass das ein Hotel ist und sie verschwinden sollen. Wie dreist manche Leute sind.

 

Morgen werde ich den Rundweg machen. Der ist bei den schönsten 10 Wandertouren am Gardasee beschrieben. Wir werden sehen, ob ich das abhaken kann.

 

Spruch des Tages: Steil runter geht auch wieder steil rauf.

TAG 2:

Trotz Langschläferchromosom zieht es mich früh aus dem Bett. Nach kalter Dusche :-( frühstücke ich. Es gibt zwar nur Baguette, aber dafür frisches Obst und guuuuuten frisch gemahlenen Kaffee. Was will ich mehr. Ich schnappe mir die erste Tasse und gehe an den gefühlten 20 Bedienungen (das Hotel ist fast leer) vorbei auf die Terrasse. Das kann ich hier leider nicht beschreiben, da es nicht zu beschreiben ist. Wunderschön, das muss reichen.

Ich frühstücke und genieße anschließend nochmals eine Tasse Kaffee draußen, noch alleine mit meiner Zeitung.

 

Das Wetter ist zum Wandern perfekt. Sonnig, aber nicht zu heiß. Jacke und Trinken müssen immer dabei sein. Los geht´s wie gestern runter und dann nach Campione. Ein hässlicher Ort, aber ich glaube ganz beliebt bei Wassersportlern. Deshalb gibt es hier auch ein großes Hostel. Ich verweile kurz auf einer Bank direkt am See (muss ja etwas die Leute beobachten) und suche dann den Rundweg zurück nach Pieve.

 

Es geht ziemlich steil die Stufen hoch, aber der Ausblick auf die Klippen und den See entschädigen mich bzw. geben mir Grund, immer mal wieder zu verschnaufen. Durch eine kleine Höhle gelangt man ziemlich schnell dann auf die andere Seite der Schlucht. Hier geht es steil rauf, Drahtseile verhelfen zu mehr Sicherheit. Etwa nach 20 min suche ich mir etwas abseits am Hang einen schönen versteckten Platz zum Rasten.

Ich muss gestehen, dass mir der Weg tatsächlich sehr gut gefällt. Ziemlich fertig oben angekommen, geht es dann rechts ab Richtung Pieve. An einer Ruine eröffnet sich eine Wiese, an der ich einfach nicht vorbeikomme. Ich nehme ein kleines Sonnenbad mit Blick auf den See natürlich.

 

Nun geht es weiter an den Villen vorbei und ich komme direkt oberhalb des Hotels wieder raus. Heute ist ein Eis fällig, das erste für dieses Jahr. Also gehe ich wieder in die Eisdiele mit der tollen Bank oberhalb der Klippen. Mmmmmmmmh. Noch ein Bier zum Runterspülen. Hoffentlich hält das mein Magen aus. :-)

 

Im Hotel nehme ich mir meine Kopfhörer und mein Buch und setze mich jetzt ins Getümmel auf der Schauderterrasse. Wunderbar, Leute beobachten, lesen und ein bis zwei Spritz trinken und die leckeren Happen dazu essen, die das Hotel spendiert. Lecker.

 

Trotzdem ist die Lust nach Pizza oder Pasta nicht gestillt. Also ziehe ich mich um und gehe ins Restaurant. Kurz überlege ich, ob ich woanders essen soll, aber hier hat es mir so gut geschmeckt und die Aussicht kann nicht besser sein. Also bleibe ich.

Pizza und Wein munden :-). Jetzt habe ich tatsächlich etwas zu viel getrunken. Da ich das schon geahnt habe, sitze ich ganz in der Ecke und falle nicht auf. Die Lernmappe für meine Weiterbildung liegt vorwurfsvoll vor mir. Ich schenke mir noch etwas Wein ein. Soll sie doch.

 

Spruch des Tages: Euch ist bekannt, was wir bedürfen, wir wollen starke Getränke schlürfen.(Goethe)

 

 

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